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Kurmandschi
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Kurmandschi (Eigenschreibweise: KurmancĂź, ÙƒÙˆŰ±Ù…Ű§Ù†ŰŹÙ‰ KurmancĂź, DMG kurmānğī) oder Nordkurdisch ist eine der drei kurdischen Sprachen, die zu den nordwestiranischen Sprachen gehören. Kurmandschi ist eine flektierende Sprache.

Etwa 65 % aller Kurden sprechen Kurmandschi. Die Kurmandschi-Sprecher oder Kurmandschen sind vorwiegend in der TĂŒrkei und in Syrien, aber auch im Irak, in Iran, im Libanon, in Armenien, Aserbaidschan und einigen weiteren GUS-Staaten zu Hause. Auch in Europa verbreitet sich Kurmandschi vor allem durch Zuwanderung stark. In der Kurdologie wird im deutschen Sprachraum fĂŒr Kurmandschi auch die Bezeichnung Nordkurdisch verwendet.

Kurmandschi wird seit den 1930er Jahren vorwiegend im lateinschriftlichen Kurmandschi-Alphabet geschrieben und durchlĂ€uft gerade einen Prozess des Sprachausbaus. Dabei wird versucht, den Dialekt Botani aus Botan in Cizre zur Standardsprache zu entwickeln. Dieser Dialekt wurde von Kamuran Bedirxan in den 1920er Jahren als Grundlage fĂŒr sein Buch ĂŒber die kurdische Grammatik benutzt.

Contents

‱ TĂŒrkei
‱ Sowjetunion
‱ Dialekte
‱ Aussprache
‱ Alphabet
‱ Pronomen
‱ Grammatik
‱ Verben
‱ Substantive
‱ Konjunktiv
‱ Diathese
‱ Wortschatz
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Politische Situation der Sprache

TĂŒrkei

Die Sprache Kurmandschi war in der Republik TĂŒrkei jahrzehntelang Restriktionen und Verboten ausgesetzt. So war das Publizieren, das Ausstrahlen von TV- oder Radiosendungen, das Singen, das Unterrichten der Sprache und von den 1980er bis in die 1990er Jahre sogar das Sprechen der Sprache verboten. Mit dem Sprachverbotsgesetz von 1983 wurde der Gebrauch jeglicher anderer Sprachen, die keine 1. Amtssprache eines von der TĂŒrkei anerkannten Staates waren, verboten und es konnten Haftstrafen von 6 Monaten bis zu 3 Jahren Haft ausgesprochen werden. Das Gesetz war bis 1991 gĂŒltig.cite-ref-2[2] Laut dem Parteiengesetz von 1983 durften Parteien an ihren Veranstaltungen nur TĂŒrkisch benutzen. Damit war Kurmandschi verboten.cite-ref-3[3] Im Jahr 2014 wurde dieses Sprachverbot mit Gesetz 6529 aus dem Parteiengesetz gestrichen. Seit Januar 2009 gibt es in der TĂŒrkei mit TRT 6 einen kurdischsprachigen staatlichen Fernsehsender. An der Mardin Artuklu Üniversitesi in Mardin wurden am Institut fĂŒr lebende Sprachen LehrstĂŒhle fĂŒr Kurdische und Assyrische Sprache und Literatur eingerichtet.cite-ref-4[4] Die UniversitĂ€t in Tunceli bietet seit 2010 ebenfalls neben der Zaza-Sprache auch Kurmandschi als Wahlfach an.cite-ref-5[5]

Sowjetunion

Die Situation in der Sowjetunion war wegen deren Minderheitenpolitik besser. So gab es schon in den 1920er und 1930er Jahren kurdische Veröffentlichungen und sogar kurdische Institute in Sankt Petersburg und in der Armenischen SSR.

Armenien und Irak

→

Hauptartikel

:

Kurmandschi in Armenien

Ezdiki (oder Êzüdükü) bedeutet „Jesidisch“ und wird von einem Teil der Jesiden verwendet, um sich mit dieser Sprachbezeichnung gegen Kurden abzugrenzen.cite-ref-6[6] Ezdiki unterscheidet sich nicht von Kurmandschi.cite-ref-7[7] Die Jesiden in Armenien sind seit 2002 als ethnische Minderheit mit ihrer Sprache Ezdiki als Minderheitssprache offiziell anerkannt.cite-ref-8[8]

Kurmandschi als Literatursprache

Kurmandschi ist die am weitesten verbreitete kurdische Sprache. Sie wird im Nordwestirak fast ausschließlich, in der SĂŒdosttĂŒrkei deutlich ĂŒberwiegend und teilweise im Nordirak und im Westen Irans benutzt. Kurmandschi wird seit den 1930er Jahren mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

Dialekte

Kurmandschi teilt sich in eine große Anzahl von Dialekten auf:

‱ ƞengalü (in Mossul),
‱ QerejdaxĂź (in ƞanlıurfa),
‱ Xerbü (in Qamischli, Amude usw.)cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]
‱ Botanü (Boxtü) (in Botan),
‱ SerhedkĂź (in West-Aserbaidschan, Van, Erzurum, Kars, Ağrı, Muß usw.),
‱ Hekkarü (in Hakkñri, West-Aserbaidschan),
‱ Behdünü (in Dahuk und West-Aserbaidschan),
‱ Torü (in Mardin und Siirt),
‱ Xerzü (Batman und Siirt),
‱ Qochanü (in Chorasan),
‱ Birjandü (in Chorasan),
‱ Elburzü (in Dailam),
‱ Westdialekt (MarashkĂź) (in Kahramanmaraß, Gaziantep, Tunceli, Adıyaman usw.),
‱ Zentraldialekt (um Diyarbakır),
‱ EfrĂźnĂź (in Afrin, Gaziantep und ƞanlıurfa).

Aussprache

Alphabet

Das Nordkurdische wird vorwiegend im lateinschriftlichen Kurmandschi-Alphabet geschrieben. Von den 31 Buchstaben, deren Aussprache weitgehend mit der Schreibung ĂŒbereinstimmt, sind acht Vokale (a e ĂȘ i Ăź o u Ă») und 23 Konsonanten (b c ç d f g h j k l m n p q r s ß t v w x y z).

Kleinbuchstaben: a b c ç d e ĂȘ f g h i Ăź j k l m n o p q r s ß t u Ă» v w x y z
Großbuchstaben: A B C Ç D E Ê F G H I Î J K L M N O P Q R S ƞ T U Û V W X Y Z

Daneben gibt es im Nordkurdischen noch den Digraph Xw.

| Buchstabe | Lautwert | Beschreibung |
|---|---|---|
| a | ​[⁠ a ⁠]​ | wie dt. a in „Rasen“ |
| b | ​[⁠ b ⁠]​ | wie dt. b |
| c | ​[⁠ dʒ ⁠]​ | wie dsch in „Dschungel“ |
| ç | ​[⁠ tʃ ⁠]​ | wie tsch |
| d | ​[⁠ d ⁠]​ | wie dt. d |
| e | ​[⁠ ɛ ⁠]​ | kurzes offenes e, wie dt. â€žĂ€â€œ in „hĂ€tte“ |
| ĂȘ | ​[⁠ e ⁠]​ | langes geschlossenes e wie in „Sehne“ |
| f | ​[⁠ f ⁠]​ | wie dt. f |
| g | ​[⁠ g ⁠]​ | wie dt. g |
| h | ​[⁠ h ⁠]​ | wie dt. h |
| i | ​[⁠ ə ⁠]​ | kurzer Schwa -Laut, wie das e in dt. „Pause“ |
| ü | ​[⁠ i ⁠]​ | wie in dt. „Liebe“ |
| j | ​[⁠ ʒ ⁠]​ | wie das j in „Journal“ |
| k | ​[⁠ k ⁠]​ | wie dt. k |
| l | ​[⁠ l ⁠]​ | wie dt. l |
| m | ​[⁠ m ⁠]​ | wie dt. m |
| n | ​[⁠ n ⁠]​ | wie dt. n |
| o | ​[⁠ o ⁠]​ | langes geschlossenes o wie in dt. „Ofen“ |
| p | ​[⁠ p ⁠]​ | wie dt. p |
| q | ​[⁠ q ⁠]​ | weit hinten im Rachen gebildetes k (keine dt. Entsprechung) |
| r | ​[⁠ r ⁠]​ | gerolltes Zungenspitzen-r |
| s | ​[⁠ s ⁠]​ | immer stimmlos, wie in „Ast“ |
| ß | ​[⁠ ʃ ⁠]​ | wie dt. sch |
| t | ​[⁠ t ⁠]​ | wie dt. t |
| u | ​[⁠ ʊ ⁠]​ | wie dt. u in „und“ |
| Ă» | ​[⁠ u ⁠]​ | langes deutliches u, wie in dt. „Schuh“ |
| v | ​[⁠ v ⁠]​ | wie dt. w |
| w | ​[⁠ w ⁠]​ | wie engl. w in „week“ |
| x | ​[⁠ χ ⁠]​ | wie dt. ch in „Bach“ |
| y | ​[⁠ j ⁠]​ | wie dt. j in „Jacke“ |
| z | ​[⁠ z ⁠]​ | stimmhaftes s wie in „Sonne“ |

Besonderheiten zum Lautsystem:

‱ Das Kurmandschi besitzt kein einheitliches Lautsystem. Den SĂŒdostmundarten stehen die Nordwestmundarten des Kurmandschi gegenĂŒber. In diesen, unter anderem in den Provinzen Kahramanmaraß, Malatya und Konya gesprochenen Dialekten, bedient man sich zum Teil anderer Laute. Im Folgenden werden einige Vokale und Konsonanten aufgezĂ€hlt, die es im Großen und Ganzen betrifft: das lange offene a spricht man wie ein langes offenes o, wie im Englischen Baseball, aus. Das kurze e ist hĂ€ufig als ein kurzes a anzutreffen. Das ç sprechen die Sprecher wie ein deutsches z aus. Der Laut c ist bei ihnen eine stimmhafte alveolare Affrikate, also ein „ds“ mit stimmhaftem s. Überdies werden die Fragepronomen kĂź (Wer) und kengĂź (Wann) als „çü“ und „çincü“ wahrgenommen. Die PrĂ€positionen bi (mit), ji (aus, von) und li (in, zu) werden „ba“, „ja“ und „la“ ausgesprochen.

Es sollte beachtet werden, dass im Kurmandschi ein Dialektkontinuum vorherrscht. Das bedeutet, dass die zahlreichen Mundarten in diesen beiden Dialektgruppen fließend ineinander ĂŒbergehen. FĂŒr die Nordwestmundarten ist kein Alphabet vorhanden. Die meisten Sprecher dieser Sprechart des Kurmandschi weichen im Schriftverkehr auf die tĂŒrkische Sprache aus.

Pronomen

im Kurmandschi ist im Vergleich zu anderen indoiranischen Sprachen eine große Vielfalt an Pronomina erhalten geblieben. Zum Beispiel hat das Pronomen „ez“ fĂŒr „ich“ eine alt-nordwestiranische Wurzel. Im Jung-Avestischen war es als „azǝm“ vertreten, im Parthischen als „az“ welche von der urindogermanischen Wurzel *eÇ”h2Ăłm palatalisiert sind.

Casus rectus Personalpronomen

| Kurmandschi | Deutsch |
|---|---|
| ez | ich |
| tu | du |
| ew | er/sie/es |
| em | wir |
| hûn | ihr |
| ew | sie |

Casus rectus Personalpronomen im West-Kurmandschi Dialekt

In den Regionen Pazarcik und Elbistan kann der ersten, zweiten und dritten Person singular ein Mophem angehÀngt werden, welches das Geschlecht des Sprechers bzw. der angesprochenen Person angibt.cite-ref-0-11-0[11]

| West-Kurmandschi | Deutsch |
|---|---|
| azĂź, az | ich (maskulin), ich (neutral) |
| azĂȘ, az | ich (feminin), ich (neutral) |
| tĂź, tu | du (maskulin), du (neutral) |
| tĂȘ, tu | du (feminin), du (neutral) |
| Ăź, aw | er, er/sie |
| ĂȘ, aw | sie, er/sie |
| am | wir |
| hûn | ihr |
| aw | sie |

Casus obliquus Personalpronomen

| Kurmandschi | Deutsch |
|---|---|
| min | ich, mein, mich |
| te | du, dein, dich |
| vĂź (hier), wĂź (dort) 2 | er, sein, ihn |
| vĂȘ (hier), wĂȘ (dort) 2 | sie, ihr, sie |
| me | wir, unser, uns |
| we | ihr, euer, euch |
| van (hier), wan (dort) 3 | sie, ihre, sie |

Da der Casus obliquus wegen der ErgativitĂ€t bei transitiven Verben benutzt wird, können die Pronomina in der Vergangenheit fĂŒr die Nominativ Personalpronomen stehen.

Die 3. Person Singular ist im Casus Obliquus sowohl geschlechtsspezifisch als auch lokativ und wĂŒrde ĂŒbersetzt

Er hier

oder

Er dort drĂŒben

bedeuten.

Die 3. Person Plural im Casus Obliquus ist nur lokativ.

Fragepronomen

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Wem | Ji kĂȘ re |
| Wen | KĂȘ |
| Wer | KĂź |
| Wie | Çawa / Çer / ÇûtilĂź / Çilo / Çing |
| Was | Çi, Çir |
| Warum | Çima |
| Wo | Ku |
| Wann | KengĂź |
| Welcher / Welche / Welches | KĂźjan |
| Wie viel | Çend, Çiqas |

Demonstrativpronomen

| Genus | Numerus | Kasus | Kurmandschi | Deutsch |
|---|---|---|---|---|
| Maskulin und Feminin | Singular, Plural | Casus Rectus | Ev | dieser, diese, diese pl. |
| Maskulin | Singular | Casus Obliquus | VĂź | diesen, diesem |
| Feminin | Singular | Casus Obliquus | VĂȘ | diese, dieser |
| Maskulin und Ferminin | Plural | Casus Obliquus | Van | diese, diesen |

Grammatik

Nominale Kategorien

Das Nomen (Substantiv, Adjektiv, Pronomen) des Nordkurdischen besitzt folgende Kategorien:

| Nr | Kategorie | Realisierungen |
|---|---|---|
| 1 | Genus | Maskulinum (m) / Femininum (f) |
| 2 | Numerus | Singular (sg) / Plural (pl) |
| 3 | Kasus | primÀr: Rectus / Obliquus ; sekundÀre Kasus vom Obliquus abgeleitet, Ezafe , Vokativ |
| 4 | Definitheit | bestimmt (unmarkiert) / unbestimmt (markiert) |
| 5 | Attributierung | siehe Morpheme |

Verben

Infinitivstamm und PrÀsensstamm

Die Kurmandschi-Verben haben zwei StÀmme:cite-ref-12[12]

1. Infinitivstamm
2. PrÀsensstamm

Infinitivstamm und PrÀsensstamm können identisch sein, jedoch gibt es meistens starke Abweichungen zwischen PrÀsensstamm und Infinitivstamm. Die InfinitivstÀmme sowie die PrÀsensstÀmme werden zur Bildung des PrÀteritums und des PrÀsens verwendet.

| Infinitiv | Übersetzung | PrĂ€sensstamm | Infinitivstamm |
|---|---|---|---|
| hatin | kommen | -ĂȘ- | hat |
| dan | geben | -d- | da |
| gotin | sagen | -bĂȘj- | got |
| xistin | schlagen | -x- | xist |

SplitergativitÀt

Das Nordkurdische besitzt wie auch andere neuiranische Sprachen eine prĂ€teritale SplitergativitĂ€t. So steht bei transitiven Verben in der Vergangenheitsform das Agens nicht im Rectus, sondern im Obliquus, und das direkte Objekt im Rectus (und nicht Obliquus). Diese Konstruktion lĂ€sst sich leicht aus der Entstehung der Vergangenheitsformen aus einem Verbaladjektiv erklĂ€ren, das bei transitiven Verben eine passive, bei intransitiven Verben eine aktive Bedeutung hatte: statt „ich habe dich gesehen“ heißt es eigentlich wörtlich „du [Rectus] (wurdest) durch mich [Obliquus] gesehen“. Dieser Konstruktionstyp kommt schon im Altpersischen und in fast allen mitteliranischen Sprachen vor, die neuiranischen haben ihn zum Teil beibehalten.

Perfekt

Beispiele:

‱ MinCasus obliquus tuCasus rectus dütü. = Ich habe dich gesehen

‱ EzCasus rectus çûm = Ich bin gegangen.

Hier steht das Agens im Casus rectus, weil „gehen“ ein intransitives Verb ist.

Verneinungen

Im Deutschen verwendet man fĂŒr Verneinungen von Verben das Wort nicht wie z. B. Ich gehe nicht. Auf welche Art und Weise die Verneinung auf Kurmandschi gebildet wird, hĂ€ngt davon ab, in welcher Zeit die Handlung stattfindet. Insgesamt kennt Kurmandschi fĂŒnf Negationspartikel:

| Form | Negationspartikel |
|---|---|
| Gegenwart | ni, na |
| Vergangenheit | ne |
| Imperativ | ne, me |

Beispiele:

‱ Gegenwart: Em nizanin – Wir wissen nicht
‱ Gegenwart: Ez nakim – Ich mache nicht
‱ Vergangenheit: Min nekir – Ich haben nicht gemacht
‱ Imperativ: Neke in einigen Dialekten Meke – Mach nicht!

Zudem können in manchen Provinzen wie z. B. Kahramanmaras und Malatya je nach Geschlecht des Sprechers, die Negationsformen nĂź (maskulin) und nĂȘ (feminin) verwendet werden. Folgende Beispiele sind nicht hochsprachlich:

‱ AzĂź nĂź birçß ma – Ich bin nicht hungrig (Die Person die spricht ist mĂ€nnlich)
‱ AzĂȘ nĂȘ birçß ma – Ich bin nicht hungrig (Die Person die spricht ist weiblich)

Substantive

Grammatikalisches Geschlecht

Kurmandschi kennt zwei grammatische Geschlechter (Genera), das maskuline und das feminine. Man kann man bei Substantiven durch die Endungen nicht feststellen, ob diese maskulin oder feminin sind, sondern muss es fĂŒr jedes Wort lernen.

Kasus

Die Substantive werden in Kurmandschi nach folgenden grammatischen Kategorien dekliniert: dem Subjektfall (Casus rectus) und dem Objektfall (Casus obliquus). Kurmandschi verfĂŒgt damit so wie das Altfranzösische ĂŒber eine Zweikasusflexion. Der Casus rectus entspricht dem deutschen Nominativ, wĂ€hrend der Casus obliquus Funktionen ĂŒbernimmt, die in anderen Sprachen ĂŒblicherweise mit dem Genitiv, dem Dativ, dem Akkusativ und dem Lokativ ausgedrĂŒckt werden. Neben diesen beiden FĂ€llen gibt es auch einen Vokativ und die Ezafe.

Der Nominativ wird mit dem Casusu rectus gebildet:

‱ Mer jinĂȘ dibĂźne – Der Mann sieht die Frau

FĂŒr den Dativ, wird der Casus obliquus und die Zirkumposition ji ... re verwendet:

‱ Jin ji merĂź re dibĂȘje – Die Frau sagt dem Mann

Der Akkusativ wird mit dem Casus obliquus gebildet:

‱ Jin merü dibüne – Die Frau sieht den Mann

Vokativ

Unter Vokativ (auch Anredefall) versteht man eine spezielle Form eines Nomens, zumeist eines Substantivs, die gebraucht wird, um den Adressaten einer sprachlichen Äußerung direkt anzureden oder anzurufen. Kurmandschi hat den protoindoeuropĂ€ischen Vokativ nicht verloren und unterscheidet heute noch drei Formen:

| Maskulinum (-o / -yo) | Femininum (-ĂȘ / -yĂȘ) | Plural (-ino) |
|---|---|---|
| RĂȘzan-o! (Oh Rezan!) | Delal-ĂȘ! (Oh Delal!) | Heval-ino! (Oh Freunde!) |

Ezafe

Wenn ein Substantiv nĂ€her bestimmt werden soll, so wird das Wort im Kurmandschi wie in anderen iranoarischen Sprachen ĂŒber eine Ezafe mit dem Bestimmungswort verbunden. Zum Beispiel bildet man die Genitivverbindung „Das Haus der Frau“ als Mal-a jin-ĂȘ. Bei der Ezafe gibt es im Singular fĂŒr mĂ€nnlich und weiblich jeweils verschiedene Formen und im Plural eine gemeinsame Form fĂŒr beide Geschlechter.

| MĂ€nnlich Singular | Weiblich Singular | Plural |
|---|---|---|
| ĂȘ | a | ĂȘn |

Beispiele:

‱ Deine Liebe – Evüna te
‱ Sein Name – NavĂȘ wĂź
‱ Unsere Kinder – ZarokĂȘn me

Endungen im Casus obliquus

| MĂ€nnlich Singular | Weiblich Singular | Plural |
|---|---|---|
| Ăź | ĂȘ | an |

Beispiele:

‱ Das Haus eines Mannes – Mala mĂȘrekĂź
‱ Das Kleid der Frau – KirasĂȘ jinĂȘ
‱ Heimat der Kurden – WelatĂȘ Kurdan

Tempusbildung

Perfekt bei transitiven Verben

Das Perfekt wird fĂŒr Sachverhalte verwendet, die in der Vergangenheit abgeschlossen wurden, deren Ergebnis oder Folge aber noch relevant sind.

Bsp.: kirin- machen

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich habe gemacht | Min kir |
| Du hast gemacht | Te kir |
| Er hat gemacht | WĂź kir |
| Sie hat gemacht | WĂȘ kir |
| Wir haben gemacht | Me kir |
| Ihr habt gemacht | We kir |
| Sie haben gemacht | Wan kir |

Plusquamperfekt bei transitiven Verben

Das Plusquamperfekt wird fĂŒr abgeschlossene Ereignisse verwendet.

Bsp.: kirin- machen

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich hatte gemacht | Min kiri bĂ» |
| Du hattest gemacht | Te kiri bĂ» |
| Er hatte gemacht | WĂź kiri bĂ» |
| Sie hatte gemacht | WĂȘ kiri bĂ» |
| Wir hatten gemacht | Me kiri bĂ» |
| Ihr hattet gemacht | We kiri bĂ» |
| Sie hatten gemacht | Wan kiri bĂ» |

PrÀteritum bzw. Durativ bei transitiven Verben

In der Regel wird das PrĂ€teritum in der Schriftsprache zur Bezeichnung der Vergangenheit oder fĂŒr TĂ€tigkeiten, die öfters wiederholt wurden, verwendet. Es wird mit dem PrĂ€fix „di-“ gebildet, welches an den Infinitivstamm angehĂ€ngt wird.

Bsp.: kirin- machen

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich machte | Min dikir |
| Du machtest | Te dikir |
| Er machte | WĂź dikir |
| Sie machte | WĂȘ dikir |
| Wir machten | Me dikir |
| Ihr machtet | We dikir |
| Sie machten | Wan dikir |

PrÀsens-Normalform

Das PrĂ€sens wird im Kurdischen durch das AnfĂŒgen eines PrĂ€fixes di- und der Personalendung gebildet.

Bsp.: kirin- machen

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich mache | Ez dikim |
| Du machst | Tu dikĂź |
| Er/Sie/Es macht | Ew dike |
| Wir machen | Em dikin |
| Ihr macht | Hûn dikin |
| Sie machen | Ew dikin |

Bei manchen Verben wird das PrĂ€fix an den Stamm assimiliert. Als Beispiel ein anderes Wort fĂŒr Gehen herin. Anstatt des Ez diherim wird die Kurzform Ez darim oder Ez terim benutzt.

Bsp.: çûn- gehen

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich gehe | Ez diçim |
| Du gehst | Tu diçß |
| Er/Sie/Es geht | Ew diçe |
| Wir gehen | Em diçin |
| Ihr geht | Hûn diçin |
| Sie gehen | Ew diçin |

Ein anderes Beispiel fĂŒr ein unregelmĂ€ĂŸiges Verb ist wissen mit dem Infinitiv zanĂźn, wo das PrĂ€fix „di-“ in einigen wenigen Mundarten weggelassen wird. Dies ist jedoch wenig verbreitet.

| Deutsch | Normalform | Kurzform |
|---|---|---|
| Ich weiß | Ez dizanim | Ez zanim |
| Du weißt | Tu dizanü | Tu zanü |
| Er/Sie/Es weiß | Ew dizane | Ew zane |
| Wir wissen | Em dizanin | Em zanin |
| Ihr wisst | Hûn dizanin | Hûn zanin |
| Sie wissen | Ew dizanin | Ew zanin |

PrÀsens Progressiv

Verlaufsformen werden gebildet, in dem man ein „e“ an die PrĂ€sensform anhĂ€ngt. Allerdings kommt bei der dritten Person Singular die Y-Regel zur Geltung, da am Ende schon ein „e“ ist. Die deutsche Sprache bildet lebendige Verlaufsformen meist nur in Dialekten, daher ist folgendes Übersetzungsbeispiel nicht völlig hochsprachlich:

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich bin am Gehen | Ez diçime |
| Du bist am Gehen | Tu diçßyß |
| Er/Sie/Es ist am Gehen | Ew diçiye |
| Wir sind am Gehen | Em diçine |
| Ihr seid am Gehen | Hûn diçine |
| Sie sind am Gehen | Ew diçine |

Futur I

FĂŒr das Futur wird anstatt „di-“ das PrĂ€fix „bi-“ benutzt. DarĂŒber hinaus wird dem Subjekt eine Endung „ĂȘ / yĂȘ“ angehĂ€ngt, die aber unbetont ist und die getrennt- oder zusammengeschrieben werden kann.

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich werde Brot kaufen | EzĂȘ nan bifiroßim |
| Du wirst Brot kaufen | TuyĂȘ nan bifiroƟü |
| Er/Sie/Es wird Brot kaufen | EwĂȘ nan bifiroße |
| Wir werden Brot kaufen | EmĂȘ nan bifiroßin |
| Ihr werdet Brot kaufen | HĂ»nĂȘ nan bifiroßin |
| Sie werden Brot kaufen | EwĂȘ nan bifiroßin |

Jedoch gibt es viele irregulĂ€re Verben. Aus morphologischen GrĂŒnden heißt es nicht EzĂȘ „biherim“ sondern:

‱ Ich werde gehen – EzĂȘ herim.

In manchen Provinzen wie z. B. Kahramanmaraß oder Malatya wird anstelle der Endung „ĂȘ“ das Wort „ki“ dem Subjekt nachgestellt, um das Futur zu bilden. Es ĂŒbernimmt die gleiche Funktion wie das deutsche Wort werden.

‱ Ich werde schicken – Azü ki biƟünimcite-ref-0-11-1[11] (Nicht hochsprachlich)

Futur II

Die Zeitform Futur II (vollendete Zukunft) wird gebildet, um die Vermutung zu Ă€ußern, dass eine Handlung zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein wird.

‱ Ich werde gemacht haben – Min ĂȘ kiribecite-ref-13[13]

Konjunktiv

Konjunktiv II (Imperfect subjunctive)

Der Konjunktiv wird verwendet, um unmögliche und unwahrscheinliche Bedingungen oder Bedingungsfolgen zu benennen. FĂŒr den Konjunktiv wird dem Infinitivstamm das PrĂ€fix „bi-“ angefĂŒgt. DarĂŒber hinaus wird dem Stamm die Endung „a / ya“ angehĂ€ngt.cite-ref-14[14]

Beispiel:

‱ Wenn ich es dir gesagt hĂ€tte, wĂŒrdest du (es) wissen – Bila min ji te re bigota, teyĂȘ bizana

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| HÀtte ich gemacht / Wenn ich gemacht hÀtte | Bila min bikira |
| HÀttest du gemacht / Wenn du gemacht hÀttest | Bila te bikira |
| HÀtte er gemacht / Wenn er gemacht hÀtte | Bila wß bikira |
| HĂ€tte sie gemacht / Wenn sie gemacht hĂ€tte | Bila wĂȘ bikira |
| HÀtten wir gemacht / Wenn wir gemacht hÀtten | Bila me bikira |
| HÀttet ihr gemacht / Wenn ihr gemacht hÀttet | Bila we bikira |
| HÀtten sie gemacht / Wenn sie gemacht hÀtten | Bila wan bikira |

Konjunktiv II (Present conditional)

FĂŒr diese Konjunktiv-Form erhĂ€lt das Personalpronomen zusĂ€tzlich die Endung „ĂȘ / yĂȘ“.cite-ref-15[15]

Beispiel:

‱ Wenn ich es dir gesagt hĂ€tte, wĂŒrdest du (es) wissen – Bila min ji te re bigota, teyĂȘ bizana

| Deutsch | Kurmandschi |
|---|---|
| Ich hĂ€tte gemacht / wĂŒrde machen | minĂȘ bikira |
| Du hĂ€ttest gemacht / wĂŒrdest machen | teyĂȘ bikira |
| Er hĂ€tte gemacht / wĂŒrde machen | wĂźyĂȘ bikira |
| Sie hĂ€tte gemacht / wĂŒrde machen | wĂȘyĂȘ bikira |
| Wir hĂ€tten gemacht / wĂŒrden machen | meyĂȘ bikira |
| Ihr hĂ€ttet gemacht / wĂŒrdet machen | weyĂȘ bikira |
| Sie hĂ€tten gemacht / wĂŒrden machen | wanĂȘ bikira |

Diathese

Passiv

Das Passiv wird mit Hilfe des Wortes kommen hatin gebildet. Nur transitive Verben können im Passiv stehen.cite-ref-16[16]

| Aktiv | Passiv |
|---|---|
| MĂȘr wĂź dibĂźnin | Ew ji mĂȘran tĂȘ dĂźtin |
| Die MĂ€nner sehen ihn | Er / Sie wird von den MĂ€nnern gesehen |

Beispiele: lesen – xwendin

‱ PirtĂ»k hati bĂ» xwendin – Das Buch war gelesen worden
‱ PirtĂ»k hate xwendin – Das Buch wurde gelesen
‱ PirtĂ»k tĂȘ xwendin – Das Buch wird gelesen
‱ PirtĂ»k bĂȘ xwendin – Das Buch wird gelesen werden

Wortschatz

Kurmandschi gehört zu den wenigen iranischen Sprachen, die trotz der Islamisierung im Großen und Ganzen ihren originalen Wortschatz bewahren konnten, wenn es auch viele arabische Lehnwörter gibt. Persisch wurde als wichtige Amts- und Kultursprache stĂ€rker vom Arabischen beeinflusst als das Kurdische, eine Sprache, die in den gebirgigen Regionen einen natĂŒrlichen Schutz hat. Die indoeuropĂ€ische Herkunft von Kurmandschi zeigt sich noch heute in vielen Wörtern.

Beispiele fĂŒr Wörter, die keinen großen Lautverschiebungen ausgesetzt worden sind:

| Proto-IndoeuropÀisch | Kurmandschi | Deutsch |
|---|---|---|
| *b h rĂ©h 2 tƍr | bira, bra | Bruder |
| *b h er- | birin / birdin | (bringen) |
| *h 3 b h ruH | birĂ» | (Augen)braue |
| *h 1 nᾗh 3 máč‡ | nav | Name |
| *néwos | nû, nev, new | neu |
| *s w éឱs | ßeß | sechs |
| *h 2 stᾗr | histĂȘrk, stĂȘr, hestare | Stern |

Literatur

‱ Usso Bedran Barnas, Johanna Salzer: Lehrbuch der kurdischen Sprache. Ein Standardwerk fĂŒr AnfĂ€nger und Fortgeschrittene. 1994, ISBN 3-901545-00-X.
‱ Paul Ludwig: Kurdisch Wort fĂŒr Wort. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2002, ISBN 3-89416-285-6 (Kurmandschi).
‱ Petra Wurzel: Kurdisch in 15 Lektionen. Komkar, Köln 1992, ISBN 3-927213-05-5.
‱ Petra Wurzel: Rojbaß. EinfĂŒhrung in die kurdische Sprache. Reichert, Wiesbaden 1997, ISBN 3-88226-994-4.
‱ Ilhan Kizilhan: Kurdisch einfach lernen. Hackbarth Verlag, St. Georgen 2000, ISBN 3-929741-26-1.
‱ Abdullah Incekan: Kurdisch kompakt. Lehr- und Übungsbuch mit LösungsschlĂŒssel und CD. Reichert Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-89500-720-0.
‱ BĂȘrĂźvan Isabella: Kurdisch Grundwortschatz. 2015, ISBN 978-3-95490-055-8.

Weblinks

Wikipedia auf Kurdisch

Wiktionary: Kurmandschi

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

WörterbĂŒcher

‱ Deutsch-Nordkurdisches Wörterbuch Ferheng

Einzelnachweise

cite-note-11. Kurdish Northern. A language of Turkey
cite-note-22. ↑ Agnes Grond: Liberale Lebenswelten. Eine Fallstudie zu Sozialisationsprozessen in einer kurdischen Migrantenfamilie. Walter de Gruyter, 2018, ISBN 978-3-11-051743-9 (google.ch [abgerufen am 13. September 2018]).
cite-note-33. ↑ Matthes Buhbe: TĂŒrkei: Politik und Zeitgeschichte. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-322-95873-0 (google.ch).
cite-note-44. ↑ Offizielle Seite des Institutes fĂŒr lebende Sprachen (Memento des Originals vom 12. Februar 2010 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.artuklu.edu.tr
cite-note-55. ↑ Tunceli Üniversitesi'nde KĂŒrtçe ve Zazaca seçmeli dil oldu. In: Radikal. 9. April 2010.
cite-note-66. ↑ Victoria Arakelova: Healing Practices among the Yezidi Sheikhs of Armenia. In: Asian Folklore Studies. Band 60, No. 2, 2001, S. 321.
cite-note-77. ↑ Garnik Asatryan, Viktoria Arakelova: The ethnic minorities of Armenia. (Memento des Originals vom 7. Dezember 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.minorities-network.org (PDF). In: Caucasian Centre for Iranian Studies. 2002, S. 18.
cite-note-88. ↑ Armenia Kurds (Kurdmanzh) minorityrights.org
cite-note-99. ↑ DEVOKA XERBÎ (QAMIƞLO). In: Zimannas. 22. MĂ€rz 2020, abgerufen am 26. Juni 2022 (kurdisch).
cite-note-1010. ↑ DEVOKA AMÛDÊ (ROJAVA). In: ÇandName. Abgerufen am 26. Juni 2022 (kurdisch).
cite-note-0-1111. ↑ George Haig: Northern Kurdish. (PDF) In: uni-bamberg.de. 27. Februar 2019, S. 147, abgerufen am 2. Dezember 2020 (englisch).
cite-note-1212. ↑ xistin – Wüküferheng. Abgerufen am 2. Dezember 2020.
cite-note-1313. ↑ Tewandin:kirin – Wüküferheng. Abgerufen am 3. Dezember 2020.
cite-note-1414. ↑ Tewandin:kirin – Wüküferheng. Abgerufen am 2. Dezember 2020.
cite-note-1515. ↑ Tewandin:kirin – Wüküferheng. Abgerufen am 2. Dezember 2020.
cite-note-1616. ↑ Learn Kurdisch fĂŒr AnfĂ€nger (Kurmanci) and much more on Memrise. Abgerufen am 2. Dezember 2020.